Zum Inhalt springen
Festpreis ab 390 € – kein Abo-Zwang
Gestaltung & Funktionen

Mehrsprachige Website: Wann sich eine zweite Sprache lohnt

Nüchterner Ratgeber: vier Fälle, in denen sich Englisch rechnet, vier, in denen es nichts bringt – plus ehrliche Kosten, Technik und schlanker Einstieg.

12 Min. Lesezeit Mehrsprachige WebsiteEnglischInternationalisierungSEO

Kaum ein Wunsch kommt in Beratungsgesprächen so verlässlich wie dieser: „Können wir die Seite nicht auch auf Englisch machen?“ Die ehrliche Antwort lautet häufiger Nein, als viele erwarten. Die Zahlen scheinen zunächst eindeutig: 90 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) der EU-Internetnutzer besuchen eine Website bevorzugt in ihrer eigenen Sprache, 42 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) kaufen online grundsätzlich nicht in einer anderen Sprache als der eigenen, und 40 Prozent (CSA Research) kaufen auf fremdsprachigen Seiten überhaupt nicht ein. Nur: Diese Zahlen beschreiben Menschen, die Ihr Angebot überhaupt erreichen können. Für einen Malerbetrieb mit 20 Kilometern Einzugsgebiet ändert eine englische Fassung daran wenig. Für ein Gästehaus, einen Zulieferer mit Kundschaft aus den Niederlanden oder einen Betrieb, der internationale Fachkräfte sucht, kann sie der günstigste Umsatzhebel überhaupt sein. Dieser Beitrag hilft bei der nüchternen Entscheidung: Wann sich eine mehrsprachige Website rechnet, wann sie Geldverschwendung ist, was sie in der Pflege wirklich kostet und wie ein schlanker Einstieg aussieht.

Mehrsprachige Website: Wann sich eine zweite Sprache lohntDer ehrliche Check: lohnt eine zweite Sprache?Rechnet sich – vier typische FälleTourismus, Ferienwohnung und GästezimmerKundschaft aus dem europäischen AuslandInternationale Fachkräfte und BewerbungenVerein mit mehrsprachigen MitgliedernBringt nachweislich nichts – vier typische FälleHandwerksbetrieb mit lokalem EinzugsgebietPraxis mit Kassensitz und StammpatientenRegionaler Verein ohne AuslandsbezugLadengeschäft mit LaufkundschaftEigene Adresse je Sprache statt UmschalterDEhttps://ihre-firma.de/de/leistungen/ENhttps://ihre-firma.de/en/services/<link rel="alternate" hreflang="de" href="/de/leistungen/"><link rel="alternate" hreflang="en" href="/en/services/">hreflang verbindet die Sprachversionen miteinanderDEENSprachwahl sichtbar oben, keine ZwangsweiterleitungBrowser-Übersetzung ist keine Sprachversion• Werbetexte werden wörtlich verdreht• Impressum und Datenschutz falsch übertragen• für Suchmaschinen oft nicht auffindbarSprachpräferenz im Netz90 %bevorzugen die eigene Sprache(Europäische Kommission)Kaufverhalten online40 %kaufen nicht auf fremdsprachigen Seiten(CSA Research)Tourismus in Deutschland16,8 %Anteil ausländischer Gäste 2025(Statistisches Bundesamt)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sprachstatistiken gelten nur für Menschen, die Ihr Angebot erreichen können: 90 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) rufen Websites in der eigenen Sprache auf, 40 Prozent (CSA Research) kaufen auf fremdsprachigen Seiten gar nicht ein.
  • Vier Konstellationen tragen die Kosten: Tourismus und Vermietung – 16,8 Prozent (Statistisches Bundesamt) der Übernachtungen 2025 kamen von Auslandsgästen –, Kundschaft aus dem EU-Ausland, internationale Bewerbungen und Vereine mit mehrsprachigen Mitgliedern.
  • Bei rein lokalem Handwerk, einer Praxis mit Kassensitz, einem regionalen Verein ohne Auslandsbezug und einem Ladengeschäft mit Laufkundschaft entsteht keine einzige zusätzliche Anfrage (Projekterfahrung); das Budget ist in der deutschen Seite besser angelegt.
  • Browser-Übersetzung und Ein-Klick-Plugins ersetzen keine Sprachversion: Werbetexte werden wörtlich verdreht, Impressum und Datenschutz unzuverlässig übertragen, und die Fassung entsteht erst im Gerät des Besuchers, ohne eigene Adresse und ohne Auffindbarkeit.
  • Technisch gehören vier Dinge dazu: eine eigene URL je Sprache wie /de/leistungen/ und /en/services/, die hreflang-Verknüpfung beider Adressen, eine lesbare Sprachwahl oben statt Flaggen und keine Weiterleitung nach IP (Google Search Central).
  • Der Aufbau verdoppelt sich nicht, die Pflege schon: Jede Preisänderung fällt danach zweimal an. Als Einstieg genügt meist eine gepflegte englische Übersichtsseite mit Leistungen, Anfahrt, Erreichbarkeit und Kontakt.

Was die Zahlen wirklich sagen – und was nicht

Die Datenlage zur Sprachpräferenz im Netz ist ungewöhnlich klar. In einer Erhebung der Europäischen Kommission gaben 90 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) der befragten Internetnutzer an, bei freier Wahl stets die Fassung einer Website in ihrer eigenen Sprache aufzurufen. Nur eine knappe Mehrheit von 53 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) würde ersatzweise eine englische Fassung akzeptieren, wenn die eigene Sprache fehlt. Und 44 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) haben den Eindruck, interessante Informationen zu verpassen, weil Seiten nicht in einer Sprache verfügbar sind, die sie verstehen. Übertragen auf Ihre Seite heißt das: Wer Ihre Sprache nicht spricht, bleibt selten lange.

Beim Kaufen wird es noch deutlicher. 42 Prozent (Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313) der Befragten kaufen online grundsätzlich nicht in einer anderen Sprache als ihrer eigenen. Eine unabhängige Verbraucherbefragung mit 8.709 (CSA Research) geprüften Teilnehmern in 29 Ländern (CSA Research) kommt zu einem ähnlichen Bild: 76 Prozent (CSA Research) bevorzugen Produkte mit Informationen in ihrer Muttersprache, und 40 Prozent (CSA Research) kaufen auf fremdsprachigen Seiten überhaupt nicht ein. Sprache ist damit kein Wohlfühlthema, sondern eine harte Kaufschwelle.

Der Denkfehler hinter diesen Zahlen

Alle genannten Werte beziehen sich auf Menschen, die grundsätzlich als Kundschaft in Frage kommen. Wenn Ihre Leistung an einen Ort gebunden ist – ein Termin in Ihrer Werkstatt, ein Tisch in Ihrem Lokal, ein Besuch in Ihrer Praxis – dann ändert eine englische Fassung nichts daran, dass die überwiegende Mehrheit Ihrer Interessenten ohnehin Deutsch spricht. Die Frage lautet deshalb nicht „Ist Sprache wichtig?“, sondern „Gibt es überhaupt Menschen, die ich heute wegen der Sprache verliere?“.

Hinzu kommt eine Nuance, die im Übersetzungs-Marketing gern übergangen wird: Europa ist mehrsprachiger geworden. Etwa 59 Prozent (Europäische Kommission, Special Eurobarometer 540) der Europäerinnen und Europäer können ein Gespräch in mindestens einer weiteren Sprache neben ihrer Muttersprache führen, 47 Prozent (Europäische Kommission, Special Eurobarometer 540) sprechen nach eigener Einschätzung gut genug Englisch für ein Gespräch, und 44 Prozent (Europäische Kommission, Special Eurobarometer 540) nutzen ihre beste Fremdsprache im Internet. Ein Teil Ihrer möglichen Auslandskundschaft käme also auch mit einer deutschen Seite zurecht. Die Zahlen sprechen für eine zweite Sprache – aber sie sprechen nicht für jede zweite Sprache auf jeder Seite.

Vier Fälle, in denen sich eine zweite Sprache rechnet

In der Praxis lassen sich die lohnenden Fälle recht gut eingrenzen. Gemeinsam ist ihnen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Ihr Angebot kaufen, buchen oder nutzen würden, aber an der Sprache scheitern. Genau dann ist eine zweite Sprache kein Prestigeprojekt, sondern der günstigste Hebel, den Sie haben – günstiger als jede zusätzliche Anzeige, weil die Nachfrage bereits da ist.

Tourismus, Ferienwohnung, Gästezimmer

In deutschen Beherbergungsbetrieben entfielen 2025 rund 83,8 Millionen (Statistisches Bundesamt) von insgesamt 497,5 Millionen (Statistisches Bundesamt) Übernachtungen auf Gäste aus dem Ausland, ein Anteil von 16,8 Prozent (Statistisches Bundesamt). Wer Zimmer, Ferienwohnungen oder Erlebnisse vermietet, verliert ohne englische Fassung einen messbaren Teil der Nachfrage – und zwar den zahlungsbereiten Teil, der ohnehin schon reisen will.

Kundschaft aus dem europäischen Ausland

Deutsche Warenexporte gingen 2025 mit 876,5 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt) von insgesamt 1.569,6 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt) in andere EU-Mitgliedstaaten, also rund 56 Prozent (Statistisches Bundesamt). Wenn Sie Bauteile, Spezialprodukte oder Dienstleistungen über die Grenze verkaufen, ist die Kaufschwelle real: 40 Prozent (CSA Research) kaufen auf fremdsprachigen Seiten nicht ein.

Internationale Fachkräfte und Bewerbungen

Wer Pflegekräfte, Monteure, Köchinnen oder Entwickler aus dem Ausland sucht, macht die Karriereseite zur Eintrittstür. Eine englische Fassung der Seiten zu Aufgaben, Team, Ort und Bewerbungsweg kostet wenig und entscheidet oft darüber, ob eine Bewerbung überhaupt zustande kommt. Der Rest der Website darf getrost deutsch bleiben.

Vereine mit mehrsprachigen Mitgliedern

Sportvereine, Kulturinitiativen und Fördervereine haben oft Mitglieder, die noch nicht sicher Deutsch sprechen. Hier geht es selten um Umsatz und fast immer um Teilhabe: Trainingszeiten, Beiträge, Ansprechpartner und Anmeldeformular in einer zweiten Sprache senken die Hemmschwelle spürbar.

Auffällig ist, was diese vier Fälle verbindet: Es geht selten um die ganze Website, sondern um eine überschaubare Zahl von Seiten, an denen die Entscheidung fällt. Beim Gästehaus sind das Zimmer, Preise und Anfahrt; beim Zulieferer Leistungen, Referenzen und Kontakt; bei der Personalsuche die Stellenbeschreibung. Wie stark Sprache und Gastfreundschaft im Gastgewerbe zusammenhängen, zeigt auch unser Beitrag zur Website für Gastronomie, und wer in dieser Branche startet, findet die passenden Bausteine auf unserer Seite zur Website für Gastronomie und Cafés.

Vier Fälle, in denen sie nachweislich nichts bringt

Der unangenehmere Teil der Beratung. In diesen Konstellationen sehen wir regelmäßig, dass eine zweite Sprache Geld und Aufmerksamkeit bindet, ohne eine einzige zusätzliche Anfrage zu erzeugen (Projekterfahrung). Der Grund ist in aller Regel derselbe: Die potenzielle Kundschaft, die es geben müsste, existiert schlicht nicht.

  • Rein lokaler Handwerksbetrieb. Wer im Umkreis von 30 Kilometern Bäder saniert, Dächer deckt oder Heizungen wartet, bekommt seine Aufträge aus der Nachbarschaft. Eine englische Fassung erreicht hier niemanden, der nicht ohnehin schon anfragen würde.
  • Praxis mit Kassensitz und festem Patientenstamm. Die Terminvergabe ist in der Regel ausgelastet, das Einzugsgebiet klar begrenzt. Sinnvoller als eine zweite Sprache sind hier Rechtssicherheit, klare Sprechzeiten und eine saubere Online-Terminvergabe.
  • Regionaler Verein ohne Auslandsbezug. Der Schützenverein, die Feuerwehr, der Heimatverein: Die Mitglieder kommen aus dem Ort. Zeit und Budget sind in aktuellen Terminen und Fotos besser aufgehoben als in einer englischen Fassung, die niemand aufruft.
  • Ladengeschäft mit Laufkundschaft. Wer vom Passantenstrom lebt, verkauft über Lage, Öffnungszeiten und Schaufenster. Hier zahlt sich ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google deutlich stärker aus als eine zweite Sprache.

Bei Praxen kommt hinzu, dass die knappe Zeit für die Website meist besser in Pflichtangaben, Datenschutz und Erreichbarkeit investiert ist – die Details dazu haben wir im Beitrag zur rechtssicheren Praxis-Website zusammengetragen. Und für alle vier Fälle gilt: Wenn das Budget begrenzt ist, gewinnt fast immer die Grundlagenarbeit. Welche Seiten überhaupt über Anfragen entscheiden, zeigt unsere Übersicht der fünf wichtigsten Seiten einer Website.

Die teuerste zweite Sprache ist die, für die es keine Zielgruppe gibt. Sie kostet nicht nur einmal Geld, sondern bei jeder Preisänderung erneut Zeit – und irgendwann steht auf der englischen Seite ein Preis, den es seit zwei Jahren nicht mehr gibt.

Projekterfahrung Webstart

Warum Browser-Übersetzung und Ein-Klick-Plugins nicht reichen

Der naheliegende Einwand kommt sofort: Moderne Browser übersetzen doch auf Knopfdruck, und für jedes System gibt es ein Plugin, das aus einer Seite angeblich in Sekunden zehn macht. Tatsächlich ist maschinelle Übersetzung im Alltag angekommen: 66 Prozent (CSA Research) der befragten Verbraucher nutzen sie online. Bemerkenswert ist nur, dass in derselben Befragung trotzdem 40 Prozent (CSA Research) angeben, auf fremdsprachigen Seiten nicht einzukaufen. Die Übersetzung ist verfügbar – sie reicht offenkundig nicht, um Vertrauen herzustellen.

Drei Probleme sehen wir dabei immer wieder. Erstens verdrehen sich Werbetexte. Gerade die Sätze, an denen ein Betrieb am längsten gefeilt hat – Slogans, Wortspiele, Anspielungen auf die Region – werden wörtlich übertragen und ergeben in der Zielsprache im besten Fall nichts, im schlechteren etwas Unfreiwilliges. Zweitens werden rechtliche Seiten unzuverlässig übertragen. Impressum und Datenschutzerklärung sind Rechtstexte mit feststehenden Begriffen; eine automatische Übertragung erzeugt Formulierungen, die im Zweifel nicht das aussagen, was sie sollen. Was inhaltlich hineingehört, beschreiben unsere Beiträge zur Impressumspflicht und zu den DSGVO-Grundlagen für kleine Websites.

Drittens – und das wiegt für die Sichtbarkeit am schwersten – existiert die übersetzte Fassung für Suchmaschinen oft gar nicht. Eine Browser-Übersetzung entsteht erst im Gerät des Besuchers, nachdem er die Seite bereits gefunden hat. Sie hat keine eigene Adresse, kann nicht verlinkt und nicht indexiert werden. Wer auf Englisch gesucht wird, wird so nicht gefunden. Google empfiehlt deshalb ausdrücklich, für jede Sprachversion einer Seite eine eigene URL zu verwenden, statt die Sprache über Cookies oder Browsereinstellungen umzuschalten (Google Search Central). Eine übersetzte Seite ohne Adresse ist wie ein zweites Schaufenster im Hinterhof.

Maschinelle Übersetzung als Entwurf, nicht als Ergebnis

Nichts spricht dagegen, eine maschinelle Rohfassung als Ausgangspunkt zu nehmen – das spart echte Zeit. Entscheidend ist, was danach passiert: Ein Mensch, der die Zielsprache sicher beherrscht, prüft Fachbegriffe, glättet Werbetexte und ersetzt rechtliche Passagen durch geprüfte Formulierungen. Genau diese Nacharbeit ist der Unterschied zwischen einer zweiten Sprachversion und einer peinlichen Fassung, die niemand liest. Beim Schreiben von Website-Texten ist das derselbe Grundsatz wie in der Ausgangssprache.

Was technisch dazugehört – in Alltagssprache erklärt

Eine zweite Sprache ist technisch kein Hexenwerk, aber es gibt vier Punkte, an denen sich saubere von improvisierten Lösungen unterscheiden. Man muss sie nicht selbst umsetzen können – aber man sollte danach fragen können, bevor man einen Auftrag vergibt.

Eigene Adresse je Sprache

Jede Sprachversion braucht ihre eigene URL, etwa /de/leistungen/ und /en/services/. Ein Umschalter, der nur den Text austauscht und die Adresse gleich lässt, erzeugt keine auffindbare zweite Fassung. Google empfiehlt für jede Sprachversion eine eigene Adresse statt einer Umschaltung über Cookies oder Browsereinstellungen (Google Search Central).

hreflang-Auszeichnung

Ein kurzer Hinweis im Quelltext sagt Suchmaschinen, dass zwei Adressen dieselbe Seite in verschiedenen Sprachen sind. Ohne diese Verbindung wirken die Fassungen wie zufällige Einzelseiten; mit ihr kann die passende Version ausgespielt werden (Google Search Central). Das ist ein Handgriff beim Bau, kein Zusatzprodukt.

Sprachwahl sichtbar oben

Der Wechsel gehört dorthin, wo Besucher ihn suchen: in den Kopfbereich, als lesbare Beschriftung wie „DE“ und „EN“, nicht als winzige Flagge im Fußbereich. Flaggen stehen zudem für Länder, nicht für Sprachen – ein englischsprachiger Gast aus Rotterdam fühlt sich von der britischen Flagge selten angesprochen.

Keine Zwangsweiterleitung nach IP

Besucher automatisch nach ihrer Internetadresse in eine Sprachversion zu zwingen, führt regelmäßig ins Leere: Der deutsche Gast im Auslandsurlaub landet auf Englisch, der niederländische Kunde am deutschen Firmenanschluss auf Deutsch. Google rät ausdrücklich davon ab, Nutzer automatisch von einer Sprachversion in eine andere weiterzuleiten (Google Search Central). Vorschlagen ja, erzwingen nein.

Die drei Fragen an jedes Angebot

Bekommt jede Sprachversion eine eigene Adresse? Wird hreflang gesetzt? Und wird auf eine automatische Weiterleitung nach IP verzichtet? Wer diese drei Fragen mit Ja beantwortet, liefert eine tragfähige zweite Sprache. Wer sie ausweicht, verkauft am Ende oft nur ein Übersetzungs-Plugin mit Umschalter.

Der ehrliche Preis: Aufbau einmal, Pflege doppelt

Hier wird meistens falsch gerechnet – in beide Richtungen. Der Aufbau verdoppelt sich nicht: Gestaltung, Struktur, Technik, Bilder und Formulare entstehen ohnehin nur einmal. Was dazukommt, sind Texte und ein paar technische Handgriffe. Deshalb ist eine zweite Sprache beim Neubau der günstigste Zeitpunkt und selten der große Kostenblock, für den viele sie halten.

Die Pflege dagegen verdoppelt sich tatsächlich. Jede Preisänderung, jede neue Leistung, jede geänderte Öffnungszeit und jeder neue Ansprechpartner muss zweimal gepflegt werden – dauerhaft, nicht einmalig. Genau hier scheitern die meisten mehrsprachigen Websites: nicht am Start, sondern im zweiten Jahr, wenn die englische Fassung Preise von vorgestern zeigt. Eine veraltete Fremdsprachenseite schadet dem Vertrauen mehr, als gar keine sie je gekostet hätte.

AspektEine SpracheZwei Sprachen
Gestaltung und TechnikEinmal aufgebautEinmal aufgebaut, unverändert
TexteEinmal geschriebenZweimal geschrieben und geprüft
Adressen und hreflangNicht nötigEigene URL je Sprache plus Verknüpfung
PreisänderungAn einer Stelle pflegenAn zwei Stellen pflegen
Neue Leistung oder SeiteEinmal ergänzenZweimal ergänzen, sonst entsteht ein Loch
RechtstexteEinmal geprüftZweimal geprüft, nicht maschinell übertragen
RisikoÜbersichtlichVeraltete Fremdsprachenfassung

Lieber drei Seiten sauber zweisprachig als dreißig halb

Die brauchbarste Regel aus vielen Projekten (Projekterfahrung): Übersetzen Sie nur die Seiten, an denen die Entscheidung fällt, und pflegen Sie diese konsequent. Drei gepflegte englische Seiten – Leistungen, Anfahrt, Kontakt – wirken professionell. Dreißig Seiten, von denen zwanzig seit zwei Jahren nicht angefasst wurden, wirken wie ein Betrieb, der es nicht ernst meint. Wenn Sie unsicher sind, welche Seiten das in Ihrem Fall sind, klären wir das vorab im Rahmen unserer Leistungen.

Wirtschaftlich betrachtet ist die zweite Sprache damit eine Betriebskostenfrage, keine Anschaffung. Wer eine laufende Website-Pflege hat, kann sie mit überschaubarem Mehraufwand mitführen. Wer alles selbst pflegt, sollte ehrlich abschätzen, ob die zweite Fassung im Alltag wirklich mitläuft. Wie sich planbare Festpreise von Abrechnung nach Aufwand unterscheiden, haben wir im Beitrag zu Website-Kosten: Festpreis oder Stundensatz aufgeschlüsselt.

Der schlanke Einstieg: eine gute englische Übersichtsseite

Für die meisten Betriebe, bei denen sich eine zweite Sprache überhaupt lohnt, ist der Einstieg kleiner, als sie denken. Eine einzige, gut gemachte englische Übersichtsseite kann für den Anfang genügen: Wer Sie sind, was Sie anbieten, wo Sie zu finden sind, wann Sie erreichbar sind und wie man Sie kontaktiert. Sie beantwortet die Fragen, die ein fremdsprachiger Interessent tatsächlich hat, und sie lässt sich in wenigen Minuten aktuell halten.

  • Kurze Vorstellung: Wer Sie sind und für wen Sie arbeiten – in drei bis vier Sätzen, ohne Werbefloskeln.
  • Leistungen im Überblick: Was Sie anbieten, ohne jede Unterseite zu spiegeln.
  • Anfahrt und Erreichbarkeit: Adresse, Öffnungs- oder Sprechzeiten, Parken, Anreise mit Bahn oder Bus.
  • Kontakt in beide Richtungen: Telefonnummer, E-Mail und ein Formular, das auch in der zweiten Sprache verständlich beschriftet ist.
  • Preise oder Preisrahmen, sofern Sie sie ohnehin öffentlich nennen – sonst ein ehrlicher Hinweis, wie ein Angebot zustande kommt.
  • Ein sichtbarer Sprachwechsel oben, damit deutschsprachige Besucher zurückfinden.

Wächst der Bedarf, kommen die nächsten Seiten dazu – aber eben nachweisbar und nicht auf Verdacht. Wichtig ist noch der Punkt Abrechnung: Wir halten eine Abrechnung nach Wortpreis für die falsche Grundlage, weil sie den Aufwand am Textvolumen misst und nicht am Ergebnis. Bei uns gibt es stattdessen einen transparenten Festpreis-Aufschlag für die zweite Sprache, den Sie vorher kennen. Was dabei enthalten ist, steht auf der Seite zur mehrsprachigen Website; die Textarbeit selbst beschreiben wir unter Website-Texte schreiben lassen.

Und wenn die ehrliche Antwort am Ende „nein“ lautet? Dann ist das ein gutes Ergebnis. Das gesparte Budget ist in einer schnellen, barrierefreien und gut auffindbaren deutschen Seite fast immer besser angelegt – zum Beispiel in einer kompakten Starter-Website ab 390 Euro. Eine zweite Sprache ist ein Werkzeug, kein Gütesiegel.

Quellen und Studien

Dieser Artikel basiert auf Daten aus: Europäische Kommission, Flash Eurobarometer 313 „User language preferences online“ (Erhebung durch The Gallup Organization, Feldarbeit Januar 2011: 90 Prozent rufen Websites bevorzugt in der eigenen Sprache auf, 53 Prozent akzeptieren ersatzweise Englisch, 44 Prozent verpassen nach eigener Einschätzung Informationen, 42 Prozent kaufen grundsätzlich nicht in einer anderen Sprache); Europäische Kommission, Special Eurobarometer 540 „Europeans and their Languages“ (Feldarbeit September bis Oktober 2023, veröffentlicht 2024: 59 Prozent können ein Gespräch in mindestens einer weiteren Sprache führen, 47 Prozent sprechen Englisch, 44 Prozent nutzen ihre beste Fremdsprache im Internet); CSA Research, Studie „Can't Read, Won't Buy“ (8.709 geprüfte Verbraucher in 29 Ländern: 76 Prozent bevorzugen Produktinformationen in der Muttersprache, 40 Prozent kaufen nicht auf fremdsprachigen Seiten, 66 Prozent nutzen maschinelle Übersetzung); Statistisches Bundesamt (Destatis) zur Tourismusstatistik 2025 (497,5 Millionen Übernachtungen insgesamt, davon 83,8 Millionen von Gästen aus dem Ausland, Anteil 16,8 Prozent) und zur Außenhandelsstatistik 2025 (Warenexporte 1.569,6 Milliarden Euro, davon 876,5 Milliarden Euro in EU-Mitgliedstaaten); sowie Google Search Central zu den Empfehlungen für mehrsprachige und mehrregionale Websites (eigene URL je Sprachversion, hreflang, keine automatische Weiterleitung). Die genannten Werte können je nach Erhebungsjahr und Methode abweichen.

Verwandte Artikel